Naturmaterialien in der Kunst. Von afrikanischen Skulpturen bis zur Museumsausstellung
Holz hat Geschichte. Es wächst, es altert, es bricht, es treibt über Flüsse und Meere, es landet in den Händen von Menschen, die darin etwas sehen, was andere nicht sehen. Dieses Prinzip zieht sich durch Jahrtausende afrikanischer Kunsttradition und findet zunehmend Eingang in Galerien, Sammlungen und Museen rund um die Welt. Wer versteht, wie mit Naturmaterialien in der Bildhauerkunst umgegangen wird und wie Museen diese Bilder präsentieren, der bekommt einen ganz anderen Blick auf das, was hinter Glas und in Vitrinen auf ihn wartet.
Holz als Werkstoff: Tradition, Symbolik und Handwerk
In vielen westafrikanischen Kulturen wurde Holz nicht zum dekorativen Handwerkeln geschnitzt, sondern es war ein ritueller Akt. Figuren aus Ebenholz, Iroko oder Afromosia wurden für zeremonielle Zwecke, als Ahnenrepräsentationen, Schutzfiguren, kultische Objekte gefertigt. Das verwendete Holz war dabei selten zufällig gewählt. Nach Region und Kulturkreis gab es bestimmte Baumarten, die als heilig oder geweiht galten, und der Schnitzer, häufig ein Spezialist in der Dorfgemeinschaft, arbeitete nach überlieferten Formkanons, die sich über Generationen gebildet hatten.
Wachsende Bedeutung neben dem bearbeiteten Stammholz gewinnen auch Funde aus der Natur. Eine Treibholz Skulptur entsteht nicht trotz ihrer Unregelmäßigkeiten, sondern durch sie. Hier arbeitet der Künstler mit dem, was Wasser und Zeit aus dem Holz gemacht haben, schneidet Einschnitte hinein, trägt Politur auf und hebt hervor, was da ist. Dies entspricht einem Prinzip, das in berühmten afrikanischen Kunsttraditionen seit langem wirksam ist: Das Material spricht, der Künstler lauscht.
Wie Museen afrikanische Skulpturen einordnen und zeigen
Die museale Präsentation afrikanischer Kunst ist in den letzten Jahrzehnten einem grundlegenden Wandel unterworfen gewesen. Während Ethnologischen Museen des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts Objekte aus Afrika meist als ethnographische Artefakte statt als Kunstwerke einordnen durften, haben neuere Institute heute kontextualisierte Ausstellungskonzepte entwickelt. Das Weltmuseum Wien oder das Humboldt Forum in Berlin zeigen afrikanische Objekte zunehmend im Gespräch mit ihrer Entstehungsgeschichte, den Herkunftsgemeinschaften und den Debatten um Provenienz und Restitution.
Für Museumsbesucher heißt das: Ein Blick auf die Begleittexte lohnt sich! Viele Häuser arbeiten mittlerweile mit Kuratorinnen und Kuratoren aus den Ursprungsländern zusammen, um Bedeutung und Kontext korrekt vermitteln zu können. Materialangaben, Datierungen und Herkunftsnachweise sind nicht nur Formalitäten, sondern Teil der Kunstgeschichte selbst.
Wie Museen mit dem Thema Naturmaterial umgehen, ist gleichfalls interessant. Skulpturen aus Holz, Stein, Ton oder eben Treibholz stellen konservatorisch besondere Probleme. Für die Lagerung organischer Materialien in Museen ist eine Klimatisierung zwischen 45 und 55 Prozent relative Luftfeuchtigkeit erwünscht, wie das Deutsche Institut für Museumskunde in seinen Richtlinien für Sammlungspflege schreibt. Temperaturschankungen bringen Risse, zu trockene Luft lässt das Holz schrumpfen. Was im Atelier des Künstlers entstand, verlangt im Museum eine andere Pflege.
Afrikanische Kunst sammeln: Was der Kenner wissen muss
Wer sich mit afrikanischen Skulpturen ernsthaft beschäftigt, ob als Sammler oder interessierter Kunstfreunde, ob als Museumsbesucher wird bald entdecken, dass Qualität an ganz bestimmten Kriterien gemessen werden kann. Alter macht noch kein Objekt bedeutend. Entscheidend sind Formqualität, Zustand, Dokumentation der Herkunft und bei ethnographischen Objekten die Nachweise für eine legale Ausfuhr aus dem Ursprungsland.
Die UNESCO-Konvention von 1970 gibt es die internationale Grundlage des Kulturgüterschutzes und erklärt, dass die Objekte, die nach diesem Datum ohne entsprechende Genehmigungen das Land verließen, illegal ausgeführt sind. Für jedes Stück können seriöse Händler, Auktionshäuser und Galerien eine lückenlose Provenienz belegen. Wer bei einem Kauf zögert oder keine Unterlagen erhält, hat ein Alarmsignal.
Über die ethnographisch bedeutsamen Stücke hinaus wächst das Interesse an zeitgenössischen Arbeiten afrikanischer Künstlerinnen und Künstler, die traditionelle Formen mit modernen Materialien und Themen verbinden. Holz ist und bleibt vornehmlich Material, weil es zugleich Verbindung und Verwandlung bedeutet. Darin liegt das Spannungsfeld, in dem afrikanische Skulpturenkunst zur lebendigsten Szene der internationalen Gegenwartskunst geworden ist.


